2008-04-26

künstlerisches bla

… Anmerkungen zu diesem “offenen Brief

wurde von 200, zum Teil prominenten, Unterstützern gezeichnet. Darunter: Herbert Grönemeyer, Ralph Siegel, Tokio Hotel und Sasha, aber auch der als links-progressiv geltende ehemalige Freundeskreis-Frontmann Max Herre, Buchautorin Amelie Fried, Schauspieler Til Schweiger, Regisseur Sönke Wortmann sowie die TV-Show-Moderatorin Barbara Schöneberger

warum auch immer diese Personen, unter denen auch Künstler sind die ich bisher geachtet habe, dieses Schreiben unterschieben haben, ist mir ein Rätsel. Aber aus künslerischen Gründen kann das wohl nicht der Fall sein.

Für den Grund eines Umsatzrückganges die Piraterie zu beschuldigen ist in etwa so einfach, wie den Deutschen die Kollektivschuld am Kriegsverzerrten Europa in der ersten hälfte des vergangenen 20 Jhd. zu geben.

Ich glaube dagegen eher, das diese Personen, zumindest einige, dieses Schreiben nichteinmal gelesen haben. Geschweige denn sich mit den Fakten auseinandersetzten. Sie schauen auf ihren Kontostand, sehen ein prozentuales Verkaufsminus als zu einem Vergleichszeitraum, und nehmen die einfachste Erklärung zum verurteilen.

In diesem Zusammenhang würde mich mal interessieren, ob der Umsatz tatsächlich zurückgeht, oder dieser nicht in dem Masse steigt wie es sich diese Bonzen vorgestellt haben.

Insgesamt erinnert mich dieses Vorgehen im allgemeinen an das klassische Hack-and-Slash Verhalten der Menschen wie sie es immer machen: kommt etwas auf sie zu das sie nicht kennen oder verstehen, wird erstmal gnadenlos darauf eingeschlagen ohne eventuell die Vorzüge zu sehen. Sind diese energisch genug, fassen sie nur gaaaanz langsam Fuss und gedeihen.

Naturwissenschaften im Spätmittelalter: Niederschlagung und Ketzerverfolgung durch die dominierende katholische Kirche.

Demokratie in Europa: Niederschlagung und Verfolgung durch feudale Systeme.

Demokratie im nahen Osten und Afrika: Niederschlagung und Verfolgung durch religiöse Fanatiker

Aufbegehren eines neuen Marktes neben dem klassischen Absatzmarkt: Vorteile ignorieren. Niederringen. Nicht investieren.

Künstler wie Nine Inch Nails dagegen sind wohl etwas flexibler.

Unter den Verlusten durch Piraterie litten am meisten junge und nicht etablierte Künstler.

Vereinfachte Betrachtung udn dadurch falsch. “Junge Künstler” ist pauschalisiert. Diejenigen die darunter “leiden”, sind zumeist die Retortenbabys, die durch Castingshows am laufenden Band rekrutiert werden.

Diese leiden aber nicht durch den Internetabsatzmarkt, sondern durch das mangelnede Feingefühl der rekrutierenden Bonzen. Denn neue Künstler sind billiger und dadurch rentabler als etablierte.

Und sollten sie erfolgreicher werden, was die wenigsten schaffen, werden Knebelverträge aufgesetzt. Diese tun ihnen weh, nicht der angeblich zurückgehende Absatz.

Und mal so nebenbei gefragt, wieso müssen Künstler eigentlich Millionen für ihre Arbeit verdienen? Schaffen Metalarbeiter denn weniger Arbeitsstunden in der Woche? Ich glaube nicht.

Auf der anderen Seite gibt es eben jene “junge Künstler” die nicht auf ein überfüttertes Managment setzen können, weil sie es sich einfach nicht leisten können. Diese vermarkten sich selbst. Wie? Genau, durch das Netz. Weil sie sich damit notgedrungen auseinander setzen müssen und merken, das es auch nur ein Absatzmarkt ist. Der jedoch etwas schneller auf Fluktuationen reagiert als der klassische.

Nicht den “jungen Künstlern” tut es weh, sondern deren Bossen und eben den “älteren Künstlern”, die nichtmehr die notwendige Flexibilität aufbringen können oder wollen.

Und gerade da wundert es mich, das die Jungs von Tokia Hotel angeblich auch unterzeichnet haben. Oder war es nur deren Manager?

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